Neuaufbau, Ziele und der Weg in der Bezirksliga

Olaf Rehmann und Jan van den Woldenberg im Interview

Artikel vom 7. Juli 2026

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    Im Trainingslager der Ersten Mannschaft in Radevormwald hat sich unsere Redaktion mit Trainer Olaf Rehmann und Sportchef Jan van den Woldenberg zusammengesetzt, um über die neue Saison, den Umbruch nach dem Abstieg und die Ziele für die Bezirksliga zu sprechen.

    Redaktion: Olaf, der Abstieg aus der Landesliga ist verdaut – wie hast Du persönlich die ersten Wochen danach erlebt, und wie schnell konntet Ihr im Trainerteam den Blick wieder nach vorne richten?

    Olaf Rehmann: „Ob der Abstieg wirklich schon verdaut ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, sowohl wir Trainer als auch die Mannschaft denken immer wieder an Spiele, Entscheidungen oder einzelne Aktionen zurück, die vielleicht anders hätten laufen können. Solche Erfahrungen verarbeitet man nicht innerhalb weniger Wochen. Den Blick nach vorne mussten wir allerdings sehr schnell richten. Durch die Spieler, die uns direkt nach dem letzten Spiel verlassen haben, blieb uns kaum Zeit zum Durchatmen. Wir mussten uns unmittelbar mit den Aufgaben beschäftigen, die uns in der Bezirksliga erwarten. Das sind wir dem Verein und vor allem den Spielern schuldig, die sich trotz des Abstiegs bewusst dafür entschieden haben, den Weg mit uns weiterzugehen.“

    Umbruch

    Redaktion: Jan, als Sportchef trägst Du die Verantwortung für den Kaderumbruch – wie bist Du die Kaderplanung nach dem Abstieg strategisch angegangen?

    Jan van den Woldenberg: „Durch den späten Abstieg und die vielen Wortbrüche war unsere Planung natürlich beeinträchtigt. Wir haben unsere Möglichkeiten genutzt und haben junge, entwicklungsfähige Spieler an die Ardelhütte holen können.“

    Redaktion: Olaf, Ihr habt einen echten Umbruch vor Euch: Was macht sportlich den Unterschied zwischen einer Landesliga- und einer Bezirksligamannschaft, und wie stellst Du Dein Training darauf ein?

    Olaf Rehmann: „Der Umbruch war keine bewusste Entscheidung, sondern die Konsequenz des Abstiegs. Jetzt geht es darum, einen Kader zusammenzustellen, der möglichst schnell zu einer funktionierenden Mannschaft zusammenwächst. Der größte Unterschied zwischen Landesliga und Bezirksliga liegt aus meiner Sicht weniger in einzelnen taktischen Inhalten, sondern vielmehr in der Qualität und Konstanz der Spieler. Deshalb müssen wir jetzt noch genauer hinschauen und Spieler finden, die bei anderen Vereinen vielleicht unter dem Radar laufen, denen wir aber zutrauen, sich bei uns schnell weiterzuentwickeln. Im Training werden wir deshalb einen noch stärkeren Fokus auf die individuelle Entwicklung der Spieler und das Zusammenwachsen als Mannschaft legen. Denn nur wenn aus vielen guten Einzelspielern eine echte Einheit wird, können wir erfolgreich sein.“

    Redaktion: Jan, was war Euch bei der Zusammenstellung des neuen Kaders wichtiger: erfahrene Spieler zu holen oder gezielt auf junge, entwicklungsfähige Talente zu setzen?

    Jan van den Woldenberg: „Der generelle Gedanke ist immer, Qualität zu holen und die von uns festgelegten Profile zu finden und zu besetzen. Wir haben darüber hinaus einen Fokus auf die charakterliche Zusammenstellung gelegt und bewusst nochmal etwas Erfahrung dazugenommen, um den jungen Spielern mehr Sicherheit zu geben.“

    Redaktion: Olaf, einige Spieler sind trotz des Abstiegs geblieben – wie wichtig ist dieses Gerüst für den Neuaufbau, und welche Rolle sollen sie im Umgang mit den meist jüngeren, neuen Spielern einnehmen?

    Olaf Rehmann: „Jeder Spieler, der bereits Landesliga-Erfahrung gesammelt hat, ist zunächst einmal eine Bereicherung für jede Bezirksligamannschaft. Diesen Anspruch dürfen unsere Spieler auch an sich selbst haben. Gleichzeitig wäre es aber ein Fehler zu glauben, dass Landesligaerfahrung allein Spiele gewinnt. Gerade die gebliebenen Spieler sollen Verantwortung übernehmen. Sie kennen das Tempo, die Intensität und die taktischen Anforderungen einer höheren Liga und können diese Erfahrungen an unsere jüngeren Spieler weitergeben. Entscheidend wird aber sein, dass niemand glaubt, den Unterschied allein machen zu können. Erfolg werden wir nur haben, wenn wir als Mannschaft auftreten und gemeinsam eine klare Spielidee entwickeln.“

    Redaktion: Jan, wie ist der aktuelle Stand der Planungen – ist der Kader für die Bezirksliga schon komplett, oder gibt es noch offene Baustellen?

    Jan van den Woldenberg: „Wir sind nach wie vor in Gesprächen und haben auch ein paar Probespieler im Training, von denen wir uns einen Eindruck verschaffen wollen. Alle Baustellen werden wir in der Kürze nicht schließen können, aber wir sind sehr glücklich über alle Jungs, die jetzt da sind.“

    Kaderplanung

    Redaktion: Olaf, wie weit seid Ihr in der Kaderplanung, und wie sieht die Mischung aus erfahrenen und jungen, formbaren Spielern aktuell aus?

    Olaf Rehmann: „Durch den späten Zeitpunkt des Abstiegs ist unsere Kaderplanung noch nicht vollständig abgeschlossen. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir zwingend noch Spieler benötigen. Wir haben einen Kader, mit dem wir guten Gewissens in die Vorbereitung und auch in die Saison starten können. Gleichzeitig halten wir bewusst die Augen offen. Sollten sich Möglichkeiten ergeben, uns auf Positionen zu verstärken, auf denen wir Bedarf sehen, werden wir uns damit beschäftigen. Auf anderen Positionen sind wir bereits sehr gut besetzt. Grundsätzlich gilt: Wir verpflichten keinen Spieler, nur um einen weiteren Spieler zu haben. Er muss uns sportlich auch wirklich weiterbringen.“

    Redaktion: Jan, wie eng arbeitest Du mit Olaf Rehmann bei der Kaderzusammenstellung zusammen, und wo ergänzt Ihr euch besonders gut?

    Jan van den Woldenberg: „Olaf und ich sind in ständigem Austausch bezüglich der Planung. Wir legen zusammen die Profile fest, die wir gerne hätten, und schauen dann nach Gesprächen, was im Rahmen unserer Möglichkeiten darstellbar ist. Ich glaube, das Gute an unserer Zusammenarbeit ist, dass wir immer offen miteinander kommunizieren können und glücklicherweise eine ähnliche Sichtweise auf viele Themen haben.“

    Saisonziel

    Redaktion: Olaf, wenn Du an die neue Saison denkst: Was ist realistisch, was ist der Anspruch – geht es in erster Linie um den direkten Wiederaufstieg, oder steht der Neuaufbau erstmal im Vordergrund?

    Olaf Rehmann: „Im vergangenen Jahr mussten mit Arminia Klosterhardt, SpVgg. Steele und Blau-Gelb Überruhr drei Vereine aus unserer Region den Weg von der Landesliga in die Bezirksliga antreten. Die Entwicklungen hätten unterschiedlicher kaum sein können: Klosterhardt ist der direkte Wiederaufstieg gelungen, Steele konnte die Klasse halten und Überruhr musste den Gang in die Kreisliga antreten. Wenn man sich die Ausgangslage anschaut, haben wir ähnliche Voraussetzungen wie Klosterhardt. Auch wir verfügen über viele talentierte Spieler aus der eigenen Jugend. Entscheidend wird sein, ob es uns gelingt, dieses Potenzial schon jetzt und langfristig so einzubinden, dass die erste Mannschaft davon profitiert. Genau darin sehe ich einen der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Entwicklung – nicht nur für die kommende Saison, sondern für den Verein insgesamt. Natürlich ist es unser Anspruch, in der Bezirksliga eine gute Rolle zu spielen und möglichst schnell wieder oben anzugreifen. Als Trainer möchte ich jedes Spiel gewinnen. Gleichzeitig wäre es unseriös, heute schon vom direkten Wiederaufstieg zu sprechen. Nach dem großen Umbruch müssen wir zunächst sehen, wie schnell die Mannschaft zusammenfindet und wo wir im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Darüber können wir nach Abschluss der Vorbereitung deutlich fundierter sprechen.“

    Redaktion: Jan, welches sportliche Ziel gebt Ihr als sportliche Verantwortliche für die kommende Bezirksligasaison aus, und wie soll sich der Verein perspektivisch über diese eine Saison hinaus entwickeln?

    Jan van den Woldenberg: „Das A und O ist Stabilität im Verein und der Mannschaft. Dabei wollen wir, wie die vergangenen Jahre auch, für einen klar erkennbaren Fußball stehen. Was die Zielsetzung angeht, sind wir momentan eher bei inhaltlichen Zielen, die wir auf dem Platz umsetzen wollen. Wenn wir das zeitnah hinbekommen, werden wir auch tabellarisch eine gute Rolle spielen können. Der Weg, den wir beschreiten, ist allerdings sportlich und finanziell nachhaltig. Der Abstieg wirft uns nicht um, und wir arbeiten auf einer gesunden Basis weiter.“

    Mit vollem Herzen in eine neue Ära

    Der Abstieg hat wehgetan – das lässt sich nicht wegreden. Aber genau in solchen Momenten zeigt sich, was einen Verein wirklich ausmacht. Und was wir aus dem Gespräch mit Olaf Rehmann und Jan van den Woldenberg mitnehmen, macht uns stolz und zuversichtlich zugleich: Spieler, die trotz des Abstiegs geblieben sind, weil sie an diesen Verein glauben. Junge Talente, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ein Trainer und ein Sportchef, die an einem Strang ziehen und mit Leidenschaft an einer gemeinsamen Idee arbeiten.

    Die Ardelhütte wird in dieser Saison zum Symbol für einen echten Neuanfang – getragen von Zusammenhalt, Willen und dem unbedingten Glauben daran, dass aus Rückschlägen die größten Geschichten entstehen können. Wir als SGS Herren gehen mit erhobenem Kopf und brennendem Herzen in die neue Spielzeit. Auf geht's – gemeinsam schreiben wir das nächste Kapitel!

    Mit freundlicher Unterstützung vom Haus Gimken